Die drei Nornen
Januar 10th, 2012 at 15:00 (Schamanismus)
Als Nornen werden die Schicksalsfrauen der Germanischen Mythologie bezeichnet. Es gibt Mehrere, doch nur drei Schicksalsweberinnern sind bekannt. Sie sind es, die Tag und Nacht am Schicksal eines Jeden und auch an dem der Welt weben. Diese Schwestern, einander sehr zugetan, leben am Brunnen Urdaborn an den Wurzeln des Weltenbaumes Yggdrasil.

(c) Ludwig Burger
“Wir weben eines jeden Leben, br>
doch können wir weder geben noch nehmen
da wir nur weben, was uns gegeben: br>
das Schicksal eines Jeden.”
Eine jede der drei Frauen webt ein Stück des großen Ganzen und webt man alle Stücke zusammen, entsteht ein Schicksalsgewebe. Dieses symbolisiert all das, wofür die Nornen stehen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft (und ihre Verbindung zueinander). Doch wenn wir verstehen wollen, wie genau das Schicksalsgewebe funktioniert, müssen wir uns den drei Nornen und ihrer Arbeit genauer zuwenden.
Die erste heißt Urd („die Gewordene“). Sie ist die älteste der Drei und wird dementsprechend auf Bildern als alte Frau abgebildet. Es heißt, dass sie das Wissen der Vergangenheit hütet und brüchige Stellen im Gewebe der Vergangenheit repariert. Sie achtet sorgsam darauf, dass alle Fäden miteinander verwoben sind und es auch bleiben, damit Fehler in der Vergangenheit, nicht Gegenwart oder Zukunft verändern. Sollte jedoch eine Änderung gewollt sein, wird sie andere Verbindungen weben, aber sie wird niemals abgerissene Fäden zulassen. Urd repräsentiert aber auch das Materielle, das Fassbare und das Manifestierte. Sie ist also ebenso ein Teilaspekt unseres Selbst der versucht, Geschehen sauber einzuordnen und richtig zu verknüpfen.
Die zweite heißt Verdandi („die Werdende“). Sie ist die mittlere Schwester, welche deshalb auch auf Bildern als Frau mittleren Alters abgebildet wird. Es heißt, dass sie die Gegenwart webt und damit die Zukunft festlegt. Allerdings kann sich die Gegenwart jederzeit durch anderes Denken und Handeln wieder verändern, was wiederum auch die Zukunft ändert. Die Gegenwart ist also das Bindeglied zwischen dem was war, und dem, was vielleicht noch sein wird. Die genaue Zukunft kann deshalb niemals feststehen, weil sie einem ständigen Wandel unterworfen ist und Verdandi die Fäden aktueller Geschehen zu einem Gewebe der Gegenwart webt. Es wird daher angenommen, dass die Zukunft nicht vorherbestimmt ist, sondern dass sie aus Vergangenheit und Gegenwart entsteht, wobei die Gegenwart der Schlüssel ist. Denn mit ihr können wir uns zugleich eine gewollte Vergangenheit als auch die gewünschte Zukunft erschaffen. Verdanda repräsentiert als Teilaspekt unseres Selbst die Realität und das Erleben von Ereignissen ohne Wertung während des Geschehens – die Wertung der Geschehen gibt Urd ihnen später, wenn sie vergangen sind und damit Teil ihres Gewebes geworden sind.
Die dritte Norne heißt Skuld („das Werdensollende“). Sie ist die jüngste der Schwestern und wird auf Bildern als junges Mädchen abgebildet. Es heißt, sie hüte das Wissen der Zukunft und webt die meisten Fäden, da sich die Gegenwart ständig verändert und damit auch das Gewebe der Zukunft. Ihr Name wir vom altnordischen skuld für Schuld abgeleitet. Dem germanischen Verständnis zu Folge ist damit das der Vergangenheit Geschuldete gemeint.
“Es ist das Geschehen, das noch zu geschehen hat, weil es auf Grund des Vergangenen nicht anders geschehen kann“. Quelle: Wikipedia
Man könnte auch sagen, die Zukunft schuldet der Vergangenheit Ihren Fortbestand, denn es muss immer zu Ende geführt werden, was begonnen wurde. Dies muss so geschehen, damit es keine unliebsamen Verstrickungen im Netz des Lebens gibt, die das gesamte Schicksalsgewebe beschädigen und damit das Schicksal Aller aufs Spiel setzt. Ihren Namen hat Skuld allerdings weniger von den Germanen, sondern vielmehr von nordischen Dichtern aus dem Mittelalter in Anlehnung an eines Vergangenheit-Gegenwart-Zukunfts-Konzeptes. Allerdings existierte das Konzept der Dreiheit schon vor den Dichtern, die nur andere Namen dafür fanden und es tut der Sache auch keinen Abbruch, denn der Sinn und Zweck der Nornen bleibt derselbe.
