Unser Song für Deutschland

© ARD/ProSieben

Gestern Abend wurde mit großer Mehrheit der düstere Elektropop-Krimi “Taken by a stranger” in der Finalshow “Unser Song für Deutschland” gewählt. Überrascht hat es kaum einen. Über das Ende der Triologie der unendlichen Unterhaltungsshow “Unser Song für Deutschland” von Stefan Raab haben sich sicherlich mindestens genauso viele gefreut, wie über das Gewinnerlied. Es war wie eine Erlösung, als sich die gefühlte vier Stunden Show nach zwei Stunden Sendung ohne Werbungunterbrechung ein Ende fand. Wie man mit nur 6 Liedern zwei ganze Stunden füllen und dann noch zehn Minuten überziehen kann ist zwar nicht unmöglich, aber furchtbar langweilig.

[...] die Komponistenporträts in epischer Länge; die albernen Statements – das eine Lied „flockt“, ein anderes „fliegt“ – der Sängerin, loungig in den Sessel gelümmelt; die Siegerbilder vom vergangenen Jahr, rauf und runter und immer wieder. [...]

Frankfurter Rundschau – TV-Kritik: “Unser Song für Deutschland

Der Zuschaueranteil der Finalsendung lag nur knapp über der letzten Sendung und der Anteil der Zuschauer von der letzten Sendung war noch weniger, als bei der ersten Show. Man kann also mit Recht behaupten, dass das Interesse mit jeder Sendung, in der Lena gegen sich selbst antrat, permantent von Sendung zu Sendung abgenommen hat. Zu Recht muss man sagen, denn es ist schon sehr müßig, zwei Stunden lang Lena’ knatschige Stimme mit Oxford Akzent, Stefan Raabs Visage und seine Band, die heavytones ununterbrochen zu ertragen. Da hören sich nach nur ein paar Minuten alle Lieder gleich an – Bühneffekte her, Backgroundtänzerinnen her. Auch Lenas epiletische Anfälle beim Tanzen konnten nicht für Abwechslung sorgen oder überzeugen – aber das taten sie ja genaugenommen noch nie. Die Rundschau auf die Songs der Konkurrenten geschah in Sekundenschnelle und auch eine gelungene Bühneneinlage von Adel Tawil (Ich & Ich) konnte die Sendung zum Schluss kaum noch über Wasser halten. Nachdem Stefan bereits in der Mitte der Sendung für seinen Favoriten “Taken by a stranger” (dem Publikumsliebling der Sendung) warb, wählte das Publikum natürlich nicht ganz unbeeinflusst den Gewinnersong.

“Der Song ist, wie wenn man eine Wasserbombe in eine Oma-Bridge-Runde rein wirft”

Stefan Raab

Doch genau genommen stand dieser Song schon von Anfang an fest, wenn man hinter die Kulissen schaut. Allein der Aufbau aller drei Sendungen gestaltete sich so, dass das Beste (für das am Schluss auch am Meisten gevotet wurde) immer zum Schluss kam – schließlich prägt sich der letzte Song bei Sendungsende immer besser ein, als der Erste. Und wer den Beifall und die Resonanzen nach Sendungsende im Internet gut und aufmerksam beobachtet hat, wusste, wie ich, schon nach der ersten Sendung, welcher Song gewinnen wird. Tja und so grüßt jährlich ein abgekartetes Spiel und Medienspektakel…

Hape Kerkeling leiste sich einen hübschen Freud’schen Versprecher, der allen Zuhörern mit offen Ohren lauthals das Ergebnis der Song Contests 2010 bereits verriet: “Wir wissen…also wir wünschen Lena, dass sie das Goldtreppchen besteigt.” Ich denke mal, dass spätestens jetzt jeder halbblinde und -taube Mensch begriffen hat, dass das Ergebnis des Contest feststand, bevor das Finale gesendet wurde. Auch das bestätige Hape Kerkeling ungewollt auf die Frage hin, wie das Ergebnis ausfallen könnte: “Die endgültige Entscheidung der Jury ist ja schon bei der Generalprobe gefallen. Da wird sich sicher nicht mehr Viel ändern…”

Quelle: vgl. Die Eurovision Song Contest Lüge 2010 (Teil 2/2)

Stefan Raab meinte am Ende der Sendung: “Wir haben einen außergewöhnlichen Song, der Europa schocken wird.” Bleibt abzuwarten, welchen Platz wir dieses Mal beim Eurovision Song Contest belegen. Den Titel wird man mit “Taken by a stranger” zumindest nicht verteidigen – es sei denn, es sind wieder Gelder geflossen.

Ich sage nur: Dunkel sind die Zeiten, denen wir entgegen gleiten – und das trifft auf den Song zu, wie die Faust auf’s Auge. Apropos Düster: Das erinnert mich irgendwie an meine Vorausschau für das Jahr 2011:

Zunächst vernahm ich lediglich Dunkelheit, dann erschienen Fledermäuse.

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