Pharmareferent vs. Patient
Januar 14th, 2011 at 20:22 (Gesundheit)
Eine persönliche Geschichte, die beweist, dass Geschäfte mit der Pharmazie der Behandlung von Patienten vorgehen und viele Ärzte aggressiv reagieren, wenn sie genau dabei ertappt werden:
Nach langem Warten auf einen Facharzt Termin hatte sollte ich heute Mittag das Vergnügen mit dem Herrn Doktor Bode*. Es war zwar eine Gemeinschaftspraxis, doch waren Beide nicht miteinander liiert. Nachdem ich eine halbe Stunde im Wartezimmer verbracht hatte, schickte man mich in’s Labor, um den Blutdruck zu messen. Danach durfte ich einen Raum weiter hinten – im Wartezimmer Nr. 2 – Platz nehmen. Dort wartete ich eine weitere halbe Stunde und hatte gerade die letzte Zeitschrift durchgelesen, als ein älterer Herr meine Aufmerksamkeit erregte.

Er kam aus dem Zimmer von Frau Doktor Adenau*, schüttelte ihre Hand zum Abschied und nahm im Wartezimmer Nr. 2 von Herrn Doktor Bode Platz. Er hatte einen Anzug und einen schwarzen Koffer. Plötzlich schoss es mir durch den Kopf: “Das muss ein Pharmavertreter sein!”. Kurze Zeit später verließ Frau Dr. Adenau die Praxis und widmete sich ihrer Mittagspause. Ich hatte den “Man in Black” gerade eingehend inspiziert, als eine Frau das Wartezimmer betrat, indem ich und der Pharmavertreter saßen. Sie war ebefalls überdurchschnittlich gekleidet und ihrer Erscheinung nach hielt sie sich wohl für etwas Besseres. Doch bevor sie Platz nahm, legte sie eine Visitenkarte in das Regal im Wartezimmer, auf dem (für alle sichtbar) die Patientenkarten der aktuellen Sprechstunde lagen. Ich ahnte, dass es sich bei der Frau um die Kollegin des Pharmavertreters handeln musste und wollte Gewissheit. Also startete ich eine Aktion, um die Visitenkarte zu Gesicht zu bekommen. Ich stand einfach auf, simulierte ein Telefongespräch und begab mich dabei zufällig in die Nähe des offen Regals und überflog das zweite Fach zwar nur flüchtig, aber das was ich gesehen habe, hatte mir gereicht. Auf der Visitenkarte, die auf meiner (!) Patientenkarte lag, stand dick und fett “Pharmareferentin”!
Ein paar Minuten später verabschiedete Herr Doktor Bode eine Patienten und und bevor ich Etwas sagen konnte, verschwand der Pharmavertreter mit dem Arzt im Sprechzimmer. Da ich schon sehr lange wartete und nicht fassen konnte, dass der Arzt Patienten wegen ein paar Boni von der Pharmazie sitzen ließ, ging ich zur Sprechstundenhilfe und beschwerte mich darüber. Diese meinte nur, dass sie das zwar auch nicht in Ordnung fände, betonte aber, dass ich ihm das unbedingt selber sagen soll. Fünf Minuten später ging die Tür auf und wenig später verließ der Pharmavertreter mit einem Lächeln und einem Händedruck zufrieden die Praxis. Das Geschäft hat sich wohl gelohnt.

Daraufhin bat mich Herr Doktor Bode (zu dem ich ja eigentlich wollte) in’s Sprechzimmer und meinte, dass er gleich kommen würde und ich hier auf ihn warten solle. Nachdem ich auf dem Stuhl Platz genommen hatte, hörte ich Schritte und dachte, dass ich jetzt endlich dran wäre, aber dem war nicht so. Im selben Moment hatte ich die Eingebung, dass ich vor die Tür in’s Wartezimmer blicken soll, weil die Pharmareferentin dort nicht mehr sitzt. Gesagt, getan. Und Volltreffer! Ich ging ein paar Türen weiter und sah, wie sich der Arzt mit der Pharmareferentin im Ultraschall-Raum feuchtfröhlich unterhielt. Als mich die Pharmareferentin entdeckte, ging sie in Deckung und schloss Herr Doktor Bode die Tür. Scheint, als hätte beide ein schlechtes Gewissen, sonst hätten sie sich Beide ja nicht heimlich in’s Nebenzimmer verkriechen müssen! Wie es scheint, wurde der Arzt von der Sprechstundenhilfe vorgewarnt, bei der ich mich kurz zuvor beschwert hatte. Schmunzelnd ging ich zurück in’s Sprechzimmer, setzte mich wieder auf den Stuhl und wartete auf den Arzt. Ich ahnte bereits, dass es zu einem Konflikt kommen würde – ich bin eben keine Patientin, der man leicht Pillen oder Diagnosen andrehen kann. Ich nehme nur äußerst selten Tabletten und ich hinterfrage jedes Fremdwort, dass Ärzte in ihre Münder nehmen. Insofern bin ich also für die Götter in Weiß ein äußerst unbequemer Patient – und das wird auch so bleiben. Just in jenem Moment ging die Tür auf und Herr Dr. Bode betrat das Zimmer. Nach seiner flachen und in den Bart gemurmelten Begrüßung konfrontierte ich den Arzt sofort mit den Vorfall:
Ich: “Seit wann »behandeln« Sie Pharmavertreter?”
Er: “Ich glaube nicht, dass ich Ihnen Rechenschaft schuldig bin.”
Ich: “Wenn Sie Pharmavertretern und -referenten den Patienten vorziehen, dann schon. Ist das Gang und gebe bei Ihnen oder machen Sie das nur bei Kassenpatienten?”
Er: “Wissen Sie, ich denke, dass das so keinen Sinn hat. Sie sollten…”
Ich: “Es ist eine Sache, dass Sie ihre Pharmaleute den Patienten vorziehen, aber ein ganz Andere, wenn Sie bewusst versuchen, mich hinter’s Licht zu führen, indem Sie mich in ein anderes Zimmer wie die Pharmareferentin schicken, damit ich nicht sehe, wie sie Ersteres tun.”
Er:” Das muss ich mir von Ihnen nicht sagen lassen. Verlassen Sie bitte sofort meine Praxis!”
Ich: “Wieso? Ich habe Sie lediglich an den Hippokratischen Eid erinnert – nicht mehr und nciht weniger. Dem Anschein nach kennen Sie den wohl nicht mehr!”
Er: “Gehen Sie – sofort!”
Kopfschüttelnd verließ ich das Sprechzimmer und begab mich zur Garderobe. Aufgeregt hüpte mir der Doc. hinter und warf mit wüsten Beschimpfungen um sich. Unter Anderem meinte er, ich sei kein Notfall. Darauf hin entgegnete ich:
“Ihnen sollte man die Lizenz entziehen – aus den folgenden zwei Gründen: Erstens haben sie soeben gegen die ärtzliche Schweigepflicht verstoßem, indem Sie in aller Öffentlichkeit vertrauliche Dinge in Ihrer Wut ausgeplaudert und sich darüber lustig gemacht haben. Zweitens stellen Sie anscheinend Diagnosen ohne jegliche Untersuchungen oder Anamnesen im Vorraus. Ob ich ein Notfall bin oder nicht, diese Entscheidung liegt nicht in Ihrem Ermessen. Damit haben Sie sich gerade diqualifiziert, aber das wissen Sie sicher selbst. Wenn ich darf, emfehle ich Sie gerne meiner Krankenkasse weiter. Adiue!”
Und ich machte, dass ich weg kam…
Hinweis: * Name aus datenschutzrechtichen Gründen abgeändert
